Wie kam Jörg Könözsi nach Rumänien?

Da ich die Frage öfter gestellt bekomme, letzte Woche zwei Besuchergruppen aus Deutschland und der Schweiz und heute von einer rumänischen Twitterin @dororai, die auch auf deutsch zwitschert (@dorora), habe ich mich entschlossen diesen Beitrag zu schreiben. Ich versuche mich dennoch kurz zu fassen :-)

Wie kam ich nach Rumänien?

1991 habe ich im zarten alter von 19 Jahren angefangen Auslandshilfe zu machen. Im ersten Jahr war ich mit einer Gruppe der Malteser in Weißrussland, im zweiten Jahr, 1992, dann in Rumänien. Das war mein erster Kontakt zu Rumänien, damals noch ein richtiges Abenteuer und stundenlanges Warten an der Grenze.

Nach 1992 bin ich dann mehrmals im Jahr mit Hilfstransporten nach Rumänien gekommen. Als ich 1994 keinen Studienplatz bekam, entschloss ich mich für ein Jahr nach Rumänien zu gehen. Ich landete damals in Bukarest in einem Straßenkinderprojekt. Mein “Arbeitsplatz” war die Straße, der Nordbahnhof und die Kanäle. Dort, nicht in den Kanälen sondern als Kollegin, lernte ich auch meine jetzige Frau, Flori, kennen. (DE: www.florisvoice.de und RO: www.florisvoice.ro). In dieser Zeit habe ich auch rumänisch gelernt, dass ich fast perfekt reden und lesen kann, aber leider nicht so gut schreiben :-(

1995 bin ich dann wieder nach Deutschland und habe dort Sozialarbeit studiert. Während der ganzen Studienzeit habe ich immer wieder Hilfsaktionen nach Rumänien begleitet und auch meinen Urlaub in Rumänien verbracht.

Im Jahr 2000 war ich dann frei und Sozialarbeiter. Geh ich mit Flori nach Afrika (wir hatten ein Angebot für Johannesburg) oder gehe ich nach Rumänien? OK, die Antwort ist bekannt. Meine Erfahrungen in Rumänien, es war nicht mehr so fremd, und auch wegen meiner Frau, habe ich mich damals für Rumänien entschieden. In der Zeit in der ich zuvor hier war, habe ich gesehen, dass für Kinder aus den Kinderheimen, aber auch für Menschen mit Behinderung nach dem 18 Lebensjahr keine Hilfeangebote bestanden. Ich wollte was nützliches tun.

Im Sommer 2000 war ich dann in Bukarest. Die Idee war eine kleine Sozialwerkstatt (damals 6 Plätze), um so jungen Menschen ein Aufgabe und damit wieder Motivation für ihr Leben zu geben.

Warum blieb ich in Rumänien?

2001 habe ich in Bukarest Flori geheiratet.

Nach 2 Jahren Probephase der Sozialwerkstatt stand ich dann 2002 vor der Entscheidung: Entweder richtig weiter machen (vor allem größer) oder aufhören.

Noch im Jahr 2002 haben wir hier in Bukarest, durch die Hilfe meiner Heimatgemeinde in Boxberg, ein Haus kaufen können. Dort haben wir dann ein Werkstatt mit zunächst 10 Plätzen eingerichtet.

Heute, im Jahr 2009, hat die Sozialwerkstatt (Facebook-Fanpage) 20 Plätze und wird noch bis Ende des Jahres um weitere vier erweitert.

Warum bleibe ich in Rumänien?

1. Es gibt noch viele interessante Aufgaben/Herausforderungen.
2. Meine Frau und ich haben uns hier ein “Nest” geschaffen.
3. Wegen unserem rumänischen Freundeskreis.
4. Weil ich mich in Deutschland kaum noch zurecht finde.

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3 comments

  1. Das was ihr tut finde ich ganz toll. Dabei könnten wir, Rumäner, auch Hilfe leisten Nur wenn wir unsere Vorurteile (gegenüber zu Straßenkinder und ins besondere zu den Zigeuner) überwinden würden…

    Ein Freund von uns aus Wien ist auch vor Jahren nach Rumänien gekommen und hat Concordia (concordia.co.at) gegründet.

  2. Imi pare rau ca nu scriu in germana, dar spre deosebire de tine, care citesti si vorbesti in romana, eu pot doar sa citesc in germana :) Asa, voiam sa iti spun ca mi se pare minunat ce faci aici si ca ar trebui sa iti urmam exemplul :)

  3. Schon interessant sich alles anzusehen. Auf der einen Seite war ich sicherlich bei den ersten Hilfstransporten dabei. Andererseits ist es bewundernswert mit welcher Energie du an die Sache rangegangen bist.

    So wie du hier nicht mehr zurecht kommst geht es mir mit meinem Heimatland.

    @dorora
    Schön dass die Rumänen sich immer noch als Rumäner bezeichnen. Meine Eltern machen es heute immer noch und ich krieg es nicht aus Ihnen raus-Gott sei Dank!

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